ein Teil von Glauben

Mit Gott auf dem Weg sein

Gedanken von Andreas Fuchs, stellv. Dekan, zum neuen Jahresthema des Rosenheimer Dekanats.

„Mit Gott auf dem Weg sein!“ Wenn man diese Aussage liest, wäre eine naheliegende Frage: Wohin?

Wer mit Gott unterwegs ist, ist nach meiner Auffassung in jedem Fall zu den Menschen unterwegs. Davon spricht der Anfang des Johannesevangeliums: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Ebensoerzählt es uns die Weihnachtsgeschichte: „… wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe. Und der Engel sprach: Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr..“

Mit Gott geht’s also zu den Menschen oder nirgend wohin. Zu allen Menschen? Zu den Menschen seines Wohlgefallens übersetzt Martin Luther im Lukasevangelium! Wer die wohl sind?

Am besten, wir schauen mal, zu welchen Menschen Jesus unterwegs ist. Wir sehen ihn auf Bedürftige, Blinde und Lahme, Zweifelnde und Suchende zugehen. Dazu lesen wir im Matthäusevangelium: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Bei Jochen Klepper, einem aufrichtigen Christenmenschen im dritten Reich, lese ich ähnliches. Er schreibt zum Weihnachtsfest:

Mein Gott, dein hohes Fest des Lichtes hat stets die Leidenden gemeint. Und wer die Schrecken des Gerichtes nicht als der Schuldigste beweint, dem blieb dein Stern noch tiefverhüllt und deine Weihnacht unerfüllt.

Die ersten Zeugen, die du suchtest, erschienen aller Hoffnung bar. Voll Angst, als ob du ihnen fluchtest, und elend war die Hirtenschar.

Den Ärmsten auf verlassenem Feld gabst du die Botschaft an die Welt. Die Feier ward zu bunt und heiter, mit der die Welt dein Fest begeht.

Die Richtung, wohin der Weg mit Gott geht scheint demnach klar. Es sind die Leidenden, die Gott im Blick hat, zu denen er geht und wohin er uns mitnehmen will. Ob nach Hongkong , in den Norden Syriens, ans Mittelmeer der Flüchtlinge aber auch zu der leidenden Umwelt. Wenn es ein bisschen näher sein darf, sind da dann die Menschen, die wir kennen und von denen wir wissen, dass sie an Leib und Seele leiden, zu Menschen, denen wir in manchen Augenblicken unseres Lebens zum Nächsten werden können.

Auf dem Weg zu diesen Menschen wissen wir Gott mit uns unterwegs. Das ist die eine Verheißung des Jahresthemas für das kommende Kirchenjahr in unserem Dekanat. Die andere lautet: Immer dann, wenn wir selber zu den Leidenden dieser Welt gehören, ist Gott zu uns unterwegs. Dann sind wir die geringsten Brüder zwischen die und Gott kein Blatt Papier passt.

Und das Ganze nennt man dann wohl Nachfolge. Oder auch „Mit Gott auf dem Weg sein.“

Herzlichst Ihr Andreas Fuchs, stellvertretender Dekan

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