Glauben

Gespräch zwischen zwei Engeln

„Warum lässt du den Kopf hängen und schaust so betrübt auf die Welt?“ „Ach, weißt du, irgendwie bin ich es leid: Jedes Jahr zur Weihnachtszeit verkünde ich überall auf der Welt und allen Menschen „fürchtet euch nicht“. Und was tun die Menschen? Sie fürchten sich weiter. Das ist doch frustrierend, oder?“ „Du hast eine schwierige und Kräfte zehrende Aufgabe. Denn es ist in der Tat so: Furcht gehört zum Leben der Menschen. Die ist nicht einfach wegzureden.“ „Wieso denn nicht?“ „Weil die Menschen Vieles erleben und erfahren, was sie verunsichert, irritiert und sie fürchten lässt.“ „ Aber ich verkünde doch auch, dass der Heiland geboren ist! Das ist doch nicht zum Fürchten? Im Gegenteil: Ist es nicht das, wonach sich die Menschen zutiefst sehnen? Dass Heil wird, dass Heil geschieht? Das müsste doch alles überstrahlen? Meinst du nicht auch?“ „Ja, strahlen, das ist ein schönes Bild! Strahlen, das klingt so kraftvoll.“ „Genau! wie die Sonne, so strahlend ist die Botschaft! Und trotzdem: Warum ist es für die Menschen so schwer, die Botschaft zu begreifen, wenn sie so kraftvoll, so leuchtend ist?“ „Du sagst es doch schon selbst: Hast du je einen Menschen gesehen, der die Strahlen der Sonne greifen konnte, anfassen konnte?“ „Nein, das habe ich nicht. Ist doch auch klar: die Sonnestrahlen berühren, wärmen, erhellen, wirken aus sich heraus, sind aber nicht fassbar.“ „Eben.“ „Ach so. Du meinst, die Stärke und die Strahlkraft der Botschaft liegt gar nicht darin, dass Menschen sie begreifen müssen, sondern dass Menschen sich von ihr anrühren lassen, sich von ihr berühren lassen dürfen?“ „Ja.“ „Meinst du, dass die Menschen sich vielleicht auch davor fürchten, sich berühren zu lassen, weil sie nicht einschätzen können, was das bewirkt?“ „Mag sein. Und deshalb ist es ja so wichtig, dass du dich immer wieder auf den Weg machst mit deiner Botschaft.“

Ihre Pfarrerin Claudia Steuerer-Wünsche

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